Einblick · Zellchemie
Eisenzentren, Jodatome und die Frage, was ein EU-Satz tatsächlich aussagt
Diese Seite geht tiefer als die Startseite: Sie ordnet die beteiligten Proteine in Tabellen, erläutert Fachbegriffe wie NADH oder Cytochrom und beantwortet Fragen, die uns zu diesem Thema erreicht haben.
Glucose, Fettsäuren und viele Aminosäuren folgen zunächst eigenen Abbauwegen. Am Ende landen sie jedoch größtenteils bei demselben Zwischenprodukt: einer aktivierten Essigsäure-Einheit, die an Coenzym A gebunden ist. Ab hier teilen sich alle drei Nährstoffgruppen dieselbe Maschinerie.
Acetyl-CoA wird im Inneren der Mitochondrien in einen Kreislauf aus acht Reaktionen eingeschleust, den Citratzyklus. Kohlenstoff verlässt diesen Kreislauf als Kohlendioxid. Wichtiger für das Verständnis ist, was dabei nicht als Gas entweicht: energiereiche Elektronen.
Die Elektronen werden von zwei Coenzymen aufgefangen, NAD+ und FAD, die dadurch zu NADH und FADH2 werden. Diese Träger geben ihre Fracht an die Proteinkomplexe der inneren Mitochondrienmembran weiter. Dort wird die Elektronenbewegung genutzt, um Protonen über die Membran zu pumpen; beim Rückfluss der Protonen baut die ATP-Synthase ATP auf.
Kaum ein Schritt der Elektronenweitergabe kommt ohne Eisen aus. Die Tabelle fasst zusammen, in welcher chemischen Form das Element in den einzelnen Komplexen vorliegt.
| Protein oder Komplex | Art des Eisenzentrums | Aufgabe |
|---|---|---|
| Komplex I (NADH-Dehydrogenase) | mehrere Eisen-Schwefel-Cluster in Reihe | nimmt Elektronen von NADH an |
| Komplex II (Succinat-Dehydrogenase) | [2Fe-2S], [4Fe-4S], [3Fe-4S] sowie Häm b | verbindet Citratzyklus und Membrankette |
| Komplex III | Cytochrom b, Cytochrom c1, Rieske-Zentrum [2Fe-2S] | reicht Elektronen an Cytochrom c weiter |
| Cytochrom c | eine Häm-Gruppe | pendelt zwischen Komplex III und IV |
| Komplex IV | Häm a und Häm a3 | letzte Elektronenübergabe |
| Aconitase (Citratzyklus) | [4Fe-4S] | wandelt Citrat in Isocitrat um |
Das nach dem Biochemiker John S. Rieske benannte Protein trägt ein [2Fe-2S]-Zentrum, bei dem eines der beiden Eisenatome ungewöhnlicherweise an zwei Histidin-Reste statt an Cystein gebunden ist. Diese Bindung verschiebt sein Redoxverhalten so, dass es Elektronen gezielt vom Ubichinol übernehmen kann.
Mit gut hundert Aminosäuren gehört Cytochrom c zu den kleinsten Proteinen der Kette. Es sitzt nicht fest in der Membran, sondern gleitet an ihrer Außenseite entlang und trägt jeweils ein einzelnes Elektron von einem Komplex zum nächsten. Sein Eisenatom wechselt dabei zwischen Fe3+ und Fe2+.
Die Aconitase ist ein Sonderfall: Ihr [4Fe-4S]-Cluster reicht keine Elektronen weiter, sondern hilft, ein Wassermolekül aus dem Citrat zu entfernen und wieder anzulagern. Verliert der Würfel eines seiner vier Eisenatome, ist das Enzym inaktiv – ein anschauliches Beispiel dafür, wie direkt einzelne Atome den Ablauf eines Stoffwechselwegs mitbestimmen.
„Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Bei Jod liegt der Zusammenhang eine Ebene höher. Das Element sitzt nicht in den Proteinen der Membrankette selbst, sondern in Signalmolekülen, die festlegen, wie viele dieser Proteine eine Zelle überhaupt herstellt.
| Verbindung | Jodatome je Molekül | Anmerkung |
|---|---|---|
| Jodid (I−) | 1 | Form, in der Jod überwiegend aufgenommen wird |
| Monoiodtyrosin / Diiodtyrosin | 1 / 2 | Vorstufen, noch an ein Trägerprotein gebunden |
| Tetraiodthyronin (T4) | 4 | rund 65 % der Molekülmasse entfallen auf Jod |
| Triiodthyronin (T3) | 3 | bindet an Rezeptoren im Zellkern |
| reverses T3 (rT3) | 3 | anders angeordnet, am Rezeptor kaum aktiv |
T4 wird in vielen Geweben durch Enzyme, sogenannte Dejodasen, in T3 umgewandelt. Welches der vier Jodatome dabei entfernt wird, entscheidet darüber, ob ein Molekül entsteht, das fest an den Rezeptor bindet, oder das kaum bindende rT3. Die Position eines einzelnen Atoms bestimmt hier also die Funktion.
T3 lagert sich an Kernrezeptoren an, die direkt an die DNA gekoppelt sind. Von dort aus wird festgelegt, wie häufig bestimmte Abschnitte abgelesen werden. Zu den betroffenen Genen zählen solche für Untereinheiten der Atmungskettenkomplexe, für die ATP-Synthase und für die Natrium-Kalium-ATPase. Über diesen Weg hängt der Sauerstoffverbrauch einer Zelle in Ruhe mit ihrer Jodversorgung zusammen.
„Jod trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Auf Etiketten in der EU werden Mengen auf sogenannte Nährstoffbezugswerte (NRV) aus der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 bezogen. Für Erwachsene sind das 14 mg Eisen und 150 µg Jod pro Tag. Es handelt sich um Kennzeichnungsgrößen, nicht um persönliche Empfehlungen.
| Lebensmittelgruppe | relevant für | Was man wissen sollte |
|---|---|---|
| Fleisch, Innereien | Eisen | liefern Häm-Eisen, das vergleichsweise gut aufgenommen wird |
| Hülsenfrüchte, Vollkorn | Eisen | Nicht-Häm-Eisen; Vitamin C in derselben Mahlzeit erhöht die Aufnahme |
| Seefisch, Meeresfrüchte | Jod | Gehalt schwankt je nach Art und Herkunft |
| Speisesalz mit Jodzusatz | Jod | in vielen EU-Ländern freiwillig, Mengenangabe auf der Packung |
„Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
„Jod trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Nein. Die zugelassene Formulierung beschreibt den gewöhnlichen Ablauf bei ausreichender Versorgung. Sind die Eisenzentren der Enzyme besetzt, erhöht zusätzliches Eisen deren Zahl nicht. Ein Zuviel kann sogar unerwünscht sein, weshalb Etiketten eine Höchstmenge nennen.
Weil jodhaltige Signalmoleküle mitbestimmen, wie viele Enzyme der Membrankette eine Zelle bildet. Jod selbst ist dort nicht eingebaut; sein Beitrag liegt in der Steuerung der Genablesung, wie im Abschnitt zu den Iodthyroninen beschrieben.
Chemisch landen beide am Ende in denselben Speicher- und Funktionsformen. Unterschiedlich ist der Weg dorthin: Häm-Eisen wird über einen eigenen Mechanismus im Dünndarm aufgenommen, Nicht-Häm-Eisen hängt stärker von anderen Bestandteilen der Mahlzeit ab.
Nein. Der Rechtstext enthält nur die kurzen Sätze. Cytochrome, Eisen-Schwefel-Cluster oder Kernrezeptoren stammen aus der biochemischen Fachliteratur, die der Bewertung durch die EFSA zugrunde lag. Wir stellen sie dar, damit der Wortlaut verständlich wird – nicht, um ihn zu erweitern.
Diese Seite in ausführlicher Fassung: zusätzliche Tabellen, Strukturskizzen der Eisen-Schwefel-Cluster und ein Glossar von Acetyl-CoA bis Ubichinon.
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